Definition und Formen
Definition: unbeabsichtigter auffälliger Gewichtsverlust (>5 % in 3 Monaten oder >10 % in 6 Monaten) oder deutlich reduzierte Körpermasse
(Fett- und Muskelmasse)
Form: Untergewicht/ Anorexie
BMI <18.5
Form: Kachexie
Gewicht 30 %
unter Normalgewicht
Ursachen und Risikofaktoren
Erkrankungen
chronische Infektionen
Endokarditis Tuberkulose HIV-Infektion
Stoffwechselerkrankungen
Schilddrüsenüberfunktion Diabetes mellitus Typ 1
Leber- und Nierenerkrankungen
Leberzirrhose nephrotisches Syndrom
Morbus Addison Krebserkrankungen/ Tumore
Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
Gastritis, Ulzera Malabsorption bei Durchfall und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien wie Laktoseintoleranz, glutensensitive Enteropathie Pankreatitis Darmparasiten
rheumatische Erkrankungen
Rheumatoide Arthritis Polymyalgia rheumatica systemischer Lupus erythematodes Granulomatose mit Polyangiitis
obstruktive Lungenerkrankungen Angststörung und Depressionen
Essstörungen
Anorexia nervosa Bulimia nervosa
schlechter Zahnstatus, Probleme mit dem Zahnersatz
Medikamente
Zytostatika Herzglykoside Metformin Psychopharmaka (Antidepressiva, Methylphenidat)
Ernährung
Appetitverlust Verweigerung der Nahrungsaufnahme unzureichende Nahrungsaufnahme schwere Fehlernährung
(z. B. Protein-Energie-Malnutrition)
Ernährungs"fehler" während
einer Therapie/ Diät
fehlende Zwischenmahlzeiten zu kleine Portionen energiearme Zutaten Auslassen von ganzen Mahlzeiten Weglassen von ganzen
Lebensmittelgruppen
Andere Ursachen
lange Bettlägerigkeit Alkoholmissbrauch, Rauchen, Drogenabhängigkeit (v.a. synthetische Drogen) psychische Probleme und Stress chronische Schmerzen Ängste, Armut, soziale Isolation
Appetitverlust, erhöhter Bedarf an
Energie und Nährstoffen,
Nahrungsverweigerung → ungenügende
Nahrungsaufnahme
Entstehung
Verlust von
Körperflüssigkeit
häufig >500 g
Gewichtsverlust pro Tag
Verlust von
Körpersubstanz
Verlust an Muskelmasse Verlust an Fettmasse
starker
Gewichtsverlust
Symptome
geschwächtes Immunsystem
Wundheilungsstörungen,
Dekubitus erhöhte Infektanfälligkeit
Schwäche/ Leistungseinbußen
eingeschränkte Mobilität
Müdigkeit Verschlechterung des
Allgemeinzustands
Mögliche Folgen
geringere Überlebensrate verminderte Lebensqualität Pflegebedürftigkeit Sarkopenie
Diagnostik
Fragebogen-Screening
MUST: Malnutrition Universal Screening Tool NRS: Nutritional Risk Screening SGA: Subjective Global Assessment PG-SGA: Patient-generated Subjective Global Assessment
Anthropometrie
Body Mass Index (BMI)
Körperzusammensetzung
fettfreie Masse Muskelmasse Fettmasse Wasser
Ausmaß und Zeitraum
des Gewichtsverlustes Trizepshautfalte Hand Grip Strength Test
Anamnese
Angaben zu Appetit, Hunger und Durst
Ernährungsanamnese
Energie Protein Fett Mahlzeitenfrequenz/
Zubereitungsformen Mengen/ Portionsgrößen Flüssigkeit Aversionen
Nahrungsmittelunverträglichkeiten Änderungen der Essgewohnheiten bzw. Lebensumstände
Angaben zu anderen Beschwerden
Erbrechen/ Durchfall/ Übelkeit chronische Schmerzen Kau-/ Schluckbeschwerden Fieber/ Nachtschweiß
Grund-/Vorerkrankungen Medikamenteneinnahme Sozialanamnese
Körperliche Untersuchung
Mangelerscheinungen Zahnstatus Hautturgor, Ödeme und Hautfarbe (Blässe) bakterielle Hautinfektionen
Apparative Diagnostik
Labor
Blutbild Differenzialblutbild BSG Schilddrüsenwerte (TSH, T3, T4) Leberwerte Gesamteiweiß, Albumin Transferrin CRP Harnstoff/ Kreatinin Glukose/ HbA1c (Diabetes mellitus Typ 1)
Urinstatus Hämoccult-Test Abdomensonografie Röntgen-Thorax
individuelle Einschätzung
des Ernährungszustands
Therapie
gesteigerte Nahrungszufuhr Trinknahrung (flüssig, Pulver) enterale Ernährung parenterale Ernährung
Medikamentöse Therapie
Corticsteroide Cannabinoide Progesterone Megestrolacetat und Medroxyprogesteronacetat Androgene wie Nandrolon,
Fluoxymesteron oder Oxandrolon selektive Androgenrezeptor-Modulatoren (SARM) oral verfügbares Ghrelin-Analogon Anamorelin IL-6-Antikörper Tocilizumab
Lebensqualität verbessern
Energie- und Nährstoffzufuhr sichern
Folgerisiken abmildern
Optionen ambulante Ernährungstherapie
Nahrungszufuhr steigern
mehr Energie mehr Protein mehr Fett größere Portionen mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt
Zwischenmahlzeiten/ Snacks
Käsewürfel frisches Obst Gemüsesticks mit
Sahnequark Fruchtriegel Grießbrei/ Milchreis Apfelmus Smoothie Joghurtdrink/ Kakao Zwieback mit Butter
und Honig
Nahrung anreichern
Maltodextrin/ Proteinpulver Sahne und Co Nussmus Butter, Öl Zucker, Honig (Getränke)
Appetitverlust mindern
appetitanregende Nahrungsmittel
Apfel Sorbet Speiseeis Säfte
wohltuende Nahrungsmittel
heiße Brühe kleiner Aperitif Lieblingsgerichte aromatische Gewürze und
frische Kräuter angenehme Gerüche
(z. B. frischer Kaffee)
Übelkeit reduzieren
Pfefferminzbonbons Zitronenwasser unangenehme Speisen-
gerüche vermeiden
leichte Bewegung Mundtrockenheit vermeiden
Trinknahrung
nach Nährstoffgehalt
proteinreich energiereich
nach Darreichung
Fertiggetränke
Fresenius Kabi Fresubin Nestlé resource saturo Trinkmahlzeit
Trinkpulver
Calo Vital
Nahrungsergänzungsmittel
Kau- und Schluckprobleme behandeln
sehr saure, scharfe oder
heiße Speisen vermeiden Speisenkonsistenz anpassen Mundtrockenheit vermeiden gründliche Mundhygiene
und Zahnpflege Mundschleimhaut beobachten beim Essen aufrecht sitzen auf faserige, krümelige, trockene Lebensmittel verzichten Schlucktraining
Mundtrockenheit vermeiden
Mund regelmäßig befeuchten
Speisekonsistenz anpassen/ ändern
cremige Speisen
Milcherzeugnisse Gemüsepürees/ Hummus Kartoffelbrei Grießbrei
(dick-)flüssige Speisen
pürierte Eintöpfe pürierte Suppen Milchgetränke Säfte/ Smoothies
Unterstützung beim Essen
Essen in Ruhe und
angenehmer Atmosphäre
Routinen einhalten
gleiche Essenszeiten übersichtlicher Essbereich
Selbstständigkeit fördern
alles griffbereit halten
(Besteck, Geschirr etc.) spezielles Geschirr/
Besteck verwenden Ess-/ Trinkhilfen anbieten Fingerfood anbieten/
Essen vorschneiden